Leistbaren und klimafitten Wohnraum zur Verfügung stellen
Handlungsauftrag 2.1.a:
Der Druck auf den leistbaren Wohnraum hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Covid-19-Pandemie verdeutlicht die Notwendigkeit eines ausreichenden, leistbaren und gesunden Wohnumfeldes. Mit der Klimakrise rückt auch die „Klimafittness“ von Gebäuden und Räumen in den Fokus. Wie gut sind Wohnungen, Häuser und Freiräume für längere Hitzeperioden oder andere Extremwetterereignisse gewappnet? Die Anforderungen für Wohnraum sind vielfältig. Er muss ausreichend, leistbar, klimafit und an die Anforderungen einer sich wandelnden und heterogener werdenden Bevölkerung angepasst sein.
Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:
- Österreichweite, vergleichbare und belastbare Daten und Grundlageninformationen aufbereiten (z.B. Verbesserung der Datengrundlagen als Ausgangspunkt für ÖROK-Wohnungsbedarfsprognosen, Indikatoren im ÖROK-Atlas).
- Anpassungbedarfe aus gesamtösterreichischer Perspektive aufzeigen (vgl. z.B. Empfehlungen der ÖREK-Partnerschaft „Leistbares Wohnen“, ÖROK-Schriftenreihe Nr. 191 „Beiträge der Raumordnung zur Unterstützung „leistbaren Wohnens“) und auf Verwerfungen hinweisen (vgl. Grundsätze des ÖREK 2030 – „klimaverträgliche und nachhaltige / gerechte / gemeinwohlorientierte Raumentwicklung“; bzw. marktgetriebene Preisentwicklung).
Raumtypen
alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung
Relevante Systeme von Akteur:innen
Bund, Länder, Regionen, Städte, Gemeinden, ÖROK, Bauträger, Investor:innen, Eigentümer:innen, Genossenschaften, Baugruppen, Planer:innen, Architekt:innen, Statistik, Arbeiterkammer
Instrumente
Daten- undEvaluierungsmodelle (z.B. Wohnungsbedarfsprognosen, Adress-, Gebäude- und Wohnungsregister), Strategien, Konzepte, gesetzliche Grundlagen (Mietrechtsgesetz, Grundverkehrsgesetze, Raumordnungsgesetze etc.), informelle und formelle Instrumente der überörtlichen und örtlichen Raumordnung, aktive Bodenpolitik, Finanzierungs- und Förderwesen (z.B. Wohnbauförderung, Grundsteuer etc.), Bewusstseinsbildung
Die räumlichen Risiken der Klimakrise aus der sozialen Perspektive aufzeigen und Handlungsstrategien ableiten
Handlungsauftrag 2.1.b:
Die Klimakrise ist keine ferne Bedrohung. Sie findet bereits statt und wird sich weiter verstärken. Unklar ist das genaue Ausmaß der Auswirkungen. Bereits in der Gegenwart führen Anpassungs- und Vermeidungsstrategien zu politischen Reaktionen, die auch soziale Auswirkungen haben.
Im Bereich sozialer-räumlicher Auswirkungen bestehen allerdings noch viele Forschungslücken. Es ist wesentlich, beide Dimensionen des Klimawandels und die räumlich-sozialen Auswirkungen zu betrachten. Wie wirkt die Klimaänderung auf den Raum und auf soziale Systeme? Wie wirken sich politische, regulative, markt- oder anreizbasierten Klimaschutzmaßnahmen auf die räumliche Entwicklung und auf soziale Systeme aus?
Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:
- Räumlich differenzierte gesamtösterreichische Untersuchungen zu Klimafolgenrisiken (Auswirkungen der Klimaänderung auf räumlich-soziale Systeme) und Transformationsrisiken (Auswirkungen von klimapolitischen Maßnahmen zur Dekarbonisierung auf Räume und soziale Gruppen) vornehmen. Handlungsmöglichkeiten herausarbeiten.
- Räumlich relevante Fragen der Klimagerechtigkeit aufzeigen und untersuchen.
- Maßnahmen der Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit umsetzen.
Raumtypen
alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung
Relevante Systeme von Akteur:innen
Bund, Länder, Regionen, Städte, Gemeinden, ÖROK, Arbeiterkammer, Wissenschaft, Bildungsinstitutionen
Instrumente
Strategien, Konzepte, Studien, Pilotprojekte, Förderungen und Anreizsysteme (z.B. Interreg, LEADER etc.), Modellregionen, Bewusstseinsbildung, ÖREK-Partnerschaft, ÖROK-Atlas
Die räumlichen Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels aufzeigen und Anpassungsstrategien entwickeln
Handlungsauftrag 2.1.c:
Die räumlichen Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels sind äußerst divers. Sie wirken in unterschiedliche Richtungen und bedürfen differenzierter Herangehensweisen. Darüber hinaus gibt es nach wie vor „heiße Eisen“ in der Raumentwicklung. Das sind z.B. Themen-Rückbau, aktives Zuwanderungsmanagement oder „Ghettoisierung“ und Segregation. Sie müssen offen angesprochen, umsichtig aufbereitet und dann angepackt werden, um nachhaltige Handlungsstrategien in die Umsetzung zu bringen.
Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:
- Gründe für den Zuzug, Wegzug, das Bleiben oder andere Themen des gesellschaftlichen Wandels aus gesamtösterreichischer Sicht vertiefend erforschen, umsichtig aufbereiten und diskutieren (inkl. Multilokalität, Saisonalität, Rückbau etc.) sowie Handlungsempfehlungen ableiten.
- Chancen und Risiken der Digitalisierung im Zusammenhang mit diesen Themen aufzeigen, soziale Innovationen gezielt mit Förderschienen unterstützen (z.B. Interreg, LEADER etc.).
Raumtypen
alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung, Austausch zwischen den Regionen forcieren
Relevante Systeme von Akteur:innen
Bund, Länder, Regionen, Städte, Gemeinden, ÖROK, Wissenschaft
Instrumente
Strategien, Konzepte, Studien, Pilotprojekte, Förderungen (z.B. Interreg, LEADER etc.), ÖREK-Partnerschaft
Strategien für Multilokalität erstellen und multilokal lebende Menschen einbinden
Handlungsauftrag 2.1.d:
Multilokale Lebensformen nehmen bedingt durch die Globalisierung, Digitalisierung und den gesellschaftlichen Wandel zu. Weltweite Nomad:innen arbeiten von ihrem präferierten Lebensort global und digital. Neue Sommerfrischler:innen zieht es aus der Hitze der Stadt aufs Land. Weggezogene leben temporär im Heimatort. Saisonniers ziehen ihren Arbeitsstandorten nach.
Multilokalität hat viele Facetten, die Datenlage und das Wissen dazu sind gering und konkrete räumliche Auswirkungen schwer abschätzbar. Gibt es negative Auswirkungen aufgrund erhöhter Wohnpreise in ländlichen Regionen? Stärkt die Zuwanderung von global Tätigen und Kreativen die Abwanderungsregionen? Welche Rolle spielt die Digitalisierung? Welchen Einfluss hat die Klimaänderung? Chancen, Risiken und Wirkungen von Multilokalität müssen vertiefend erforscht, räumliche Strategien abgeleitet und Angebote zur Einbindung multilokal lebender Menschen entwickelt werden.
Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:
- Studien und Konzepte aus umfassender Sicht zu Multilokalität durchführen, Evidenzen aufbereiten und publizieren (z.B. ÖROK-Schriftenreihe, ÖROK-Atlas).
Raumtypen
alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung sowie Vernetzung in das Ausland (z.B. grenzüberschreitend, EU-weit etc.)
Relevante Systeme von Akteur:innen
Bund, Länder, Regionen, Städte, Gemeinden, ÖROK, Wissenschaft, Statistik, Vereine und Freiwilligenorganisationen, Sozialeinrichtungen
Instrumente
Studien, Konzepte,Daten- undEvaluierungsmodelle, Entwicklungsplanung, ÖREK-Partnerschaft, ÖROK-Atlas, Pilotprojekte